Tear It Down and Turn It Upside Down!
Erste Übung (feat. The Tear-Down-Ensemble)

16.30
Schinkelplatz
Map

Während weltweit Monumente rassistischer und kolonialer Geschichte und Gewalt demontiert werden, blamiert sich Berlin zurzeit mit dem genauen Gegenteil. Der fragwürdige Wiederaufbau des Berliner Schlosses wurde jüngst mit einem Reichsapfel auf der Kuppel gekrönt, dem Symbol schlechthin für imperiale und christliche Vormachtstellung in der Welt. Unterhalb von diesem Herrschaftssymbol fordert eine Inschrift alle Lebenden und Toten dazu auf, bedingungslos und in Demut vor Jesu niederzuknien. Ein Ethnologisches Museum, dessen Sammlung zum großen Teil während des deutschen Kolonialismus entstand, mit solchen Symbolen zu versehen, bedeutet koloniale Gewalt zu verherrlichen und zu verewigen. Die Wiederbelebung kaiserlicher Machtinsignien gepaart mit dem Aufruf sich bedingungslos zu unterwerfen, entlarvt das Projekt Humboldt Forum endgültig als rückwärtsgewandt und antidemokratisch. Wir sind erschüttert, dass hier im Zuge einer bildlichen und architektonischen Wiederbelebung von preussischer Monarchie, christlicher Dominanz und kolonialem Anspruch Raum für revisionistische und rechtsnationale Ideologien in Berlin entsteht.

Positive Resonanz findet die neopreussische Allmachtsfantasie bei der hiesigen Privatwirtschaft, deren Akteur*innen die verstohlene Selbstkrönung am 30. Mai mit grosszügigen Spenden möglich machten. Zum Dank für ihre Spende von 1 Millionen Euro durfte Inga Maren Otto den Reichsapfel selbst mit einer Widmung versehen für ihren verstorbenen Mann, den Versandhauskönig Werner Otto. Mit dieser Geste wird die Otto Gruppe samt Tochterfirma ECE Project Management, deren triste Shopping Malls viele deutsche Innenstädte zieren, ins kaiserliche Gottesgnadentum erhoben. Noch zweifelhafter wird dieser Pakt angesichts der Tatsache, dass jenes Kuppelkreuz der Hohenzollern nachträglich hinzugefügt und nie im Bundestag oder in einem anderen demokratischen Forum beschlossen wurde.

Ein Online-Dossier des Humboldtforums beschreibt das goldene Ensemble aus gütigen Engeln, exotischen Palmwedeln und dem Reichsapfel als „Symbol für Nächstenliebe, Freiheit, Weltoffenheit und Toleranz“. Verzeihung, liebe Monika Grütters, aber das ist eine Beleidigung dieser Werte. Bei den Hohenzollern handelt es sich nicht um gütige Unterstützer kultureller Werte, sondern um einen preußischen „Familien-Clan“, der seit über tausend Jahren Kriege anzettelt, Vetternwirtschaft betreibt und Katastrophen verursacht und zuletzt mit absurden Entschädigungsforderungen Schlagzeilen machte.

Während andernorts Raum für eine dekolonialisierte Welt entsteht, in der Rassismus und eurozentrische Ignoranz keinen Platz haben, kommen in Berlin die kaiserlichen Untoten aus der Geschichtsgruft gekrochen. Als heillose Wiedergänger thronen sie hoch über der Stadt, während sich die Keller unter ihnen mit den gestohlenen Gebeinen und Artefakten derer füllen, die von den Hohenzollern im Zeichen des Kreuzes in die Knie gezwungen wurden. In den Ausstellungsräumen dazwischen erfüllt sich die „Kulturnation“ Deutschland ganz bewusst mit „kritischen“ und „weltoffenen“ Gesten ihren uralten Traum, auf der Bühne der Welt „wieder jemand sein zu dürfen“. Über diesen geschichtsrevisionistischen Schwachsinn sind wir fassungslos und wütend. Gerade in Anerkennung der aktuellen UN-Dekade for People of African Descent muß gelten: Das Kreuz muß runter und zwar sofort! Dann – und nur dann erst – lässt sich über eine sinnvolle Umschichtung dieser Barockruine nachdenken. Heute beginnen wir mit den Proben, um dieses untote und blutverschmierte Ensemble auf den Kopf zu stellen und in die Spree zu werfen.

Black Lives Matter muß auch für Museen gelten. Für einen Perspektivenwechsel in der weiß geprägten Erinnerungskultur!

Tear it down and turn in upside down!

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